Neue Bühne Bruck
Wir werden 40!
40 Jahre Neue Bühne Bruck – Mensch, Meier, was war da alles los? Vorwärts, rückwärts und bei Gegenwind war das Motto. Es gab Viel Lärm um Nichts, aber wir dachten uns immer wieder Ganz oder Gar nicht und ohne Zweifel hat sich Ein Jedermann über die Jahre und Jahrzehnte reingehängt.
Wir kamen Aus der Fremde, erlebten Piktors Verwandlungen und landeten in Paradiso. Ob es da auch so schön nach Bananen riecht wie in Panama? Märchenhaft war es beim kleinen Prinzen, Dornröschen und Cinderella, auch wenn der irgendwas nicht passte.
Es gab Zwei Stück Leben, 3 Schwestern, 8 Frauen und 39 Stufen. Tierisch gut war Ox und Esel, Ein Schaf fürs Leben, die Stunde des Luchses und Die Geschichte der Pandabären. Wir fragten uns Was ist ein Mugnog, Hallo, wer dort? und Wer hat Angst vor Virginia Wolff? Nur Julchen sollte nicht fragen und auch der Bub wurde angewiesen zu schweigen. Auch ernste Geschichten gab es zu sehen mit Extremities, Bartsch Kindermörder und Rosa Winkel. Wir stellten fest: Es war die Lerche, Pinguine können keinen Käsekuchen backen und Er ist wieder da. Frauenpower gab es auf der Bühne in die Präsidentinnen, King Kongs Töchter, den Weberischen und Kaspar Häuser Meer.
Wir verbrachten Tage mit Gott – eine unbestimmte Anzahl – mit Simon Labrosse waren es genau 7 Tage, mit 6 Tanzstunden verbrachten wir sogar 6 Wochen, aber manchmal war es auch Nur ein Tag. Und mit den Schwestern Brontë verbrachten wir Nächte, aber auch da blieb ungeklärt wie viele und warum eigentlich? Heiß her ging es beim Dreier und in Hautnah.
Wir befanden uns Zwischen Gestern und Morgen, am Ende vom Anfang oder wir begaben uns mit dem Publikum auf eine Reise ins Glück. Wir waren auf der Insel, in Indien, Sibirien und An der Arche um Acht. Mysteriös wurde es in Misery, Black Rider und unserer Welturaufführung König und Meister. Wir gingen in die Schule mit Clowns, waren im Schatten eines Fluges und verbrachten einen Winter unterm Tisch, auch wenn der bei der letzten Vorstellung etwas niedriger war als zuvor.
Ebenso verbrachten wir Zeit mit unserer besseren Hälfte und einem glühend Männla, nicht zu verwechseln mit dem gegrillten Mann, aber der war auch da. Und ein Highlight der Beziehungsbeobachtung wurde als köstliches Szenensammelsurium in Loriots abgezapft und originalverkorkst präsentiert. Kriminell gut waren Bonnie und Clyde, dann Zwei wie Bonnie und Clyde und die Kleinen Eheverbrechen.
Wir lernten Überall ist Wunderland und Das Leben ein Traum. Durch das Theater wissen wir, dass Der Wunschpunsch satanarchäolügenialkohöllisch ist, Fräulein Smilla Gespür für Schnee hat und man eine Offene Zweierbeziehung durchaus auch nach Jahrzehnten wiederbeleben kann. Bei uns auf die Bühne schafften es ein Pterodaktylus, die Valentinaden, und die Liebe Jelena Sergejewna, aber auch Barbaren, Vermummte, Der Häßliche und ein ewiger Spießer.
Die letzten Dinge kann ich nicht zitieren, aber aus dem Maß der Dinge stammt unser Leuchtschriftspruch „Wahr ist in der Kunst das, dessen Gegenteil ebenfalls wahr ist.“ Wir wurden ermahnt Seid nett zu Mr Sloane, Sam wurde aufgefordert es nochmal zu spielen und Fürstenfeld wurde zu einem Tatort über die Jahre inzwischen immer wieder. Es war Der nackte Wahnsinn. Da war zwar Kein Platz für Idioten, aber Mr Pilk füllte ein ganzes Irrenhaus. Kalte Hände gab es, Liebe Triebe Hiebe und Scherz, Satire und Ironie mit – am Ende zumindest noch -tieferer Bedeutung.
Wir trafen Kassandra, Penthesilea, den Feuerbach und Felix Krull, Mirandolina, den Messias und Fräulein Julie. Auf der Bühne waren Meier Müller Schulz, Kiebich und Dutz, Petterson und Findus, Harold and Maude sowie Mr Punch und Mrs Judy. So stellten wir immer wieder fest: Zusammen ist man weniger allein. Auch Frank und Stein waren uns über viele, viele Vorstellungen hin liebgewonnene Gesellschaft mit einer großartigen Neuauflage zum 30 Jährigen Jubiläum. Auch der Kontrabaß durfte da als Wiederaufnahme auf die Bühne wie sonst noch zu vielen verschiedenen Gelegenheiten.
Zwischendurch gingen wir zwar vor die Hunde und der junge Werther hatte Leiden, aber hey, Das wird schon, auch wenn die kleinste Fessel unerträglich drückt. Wir diskutierten über den Vornamen und in Gott des Gemetzels und die immer wieder kehrende Frage Wer zahlt´s? Man fand Gleichgesinnte in A Long Way down oder wir zeigten Gegensätze ziehen sich an wie bei der Tür nebenan oder manchmal ziehen sich die Gegensätze auch aus wie in Shoppen. Oder man zieht zusammen los z.B. mit Klamm in den Krieg. Wir feierten Abschiedsdinner und Frohe Feste oder es gab auch mal einfach Einen für unterwegs. Hoch hinauf ging es die Steilwand und auf den Watzmann.
Berühmte Paare waren bei uns zu Gast: Adam und Eva, Leonce und Lena und Romeo und Julia. Von Shakespeare spielten wir außerdem Was ihr wollt, Richard 3 und Shakespeare and Love und dann, der Vollständigkeit halber, auch noch Shakespeares sämtliche Werke wenn auch leicht gekürzt! Absurdes Theater war geboten bei Kaiser und Archiktekt von Assyrien und in Kalldewey Farce.
Junges Theater wurde präsentiert mit Angstmän, Tschick und Creeps. Für Kinder, kleine wie große, gab es Momo, Ronja Räubertochter, Pinocchio und den gestiefelten Kater, Die kleine Hexe und Das Dschungelbuch. Es gab Klassiker der Schullektüre mit Woyzeck, Anne Frank, Effi Briest oder Urfaust und bei Lampenfieber gab es dann noch den Faust im Nacken.
Faust dick hinter den Ohren hatten es der Michel aus der Suppenschüssel, Pumuckl sowie Max und Moritz. Zum Lachen war Helden wie wir und die Frauenquote… oh, Frauenquote zum Lachen?! Nein, natürlich nicht, das klang jetzt politisch nicht ganz korrekt. Aber politisch können wir auch: wir spielten Furor und Benefiz und waren bemüht, dass Jeder einen Afrikaner rettet.
Es war musikalisch in der Dreigroschenoper, bei Baby Talk und mit einer immer geltenden Message in All you need is love. Und Orpheus wünschten wir, ebenfalls in einzigartiger Weise mit viel Gesang begleitet, zur Hölle.
Im Theater ist Vieles möglich, da ist die Sommernacht ein Traum, der Winter ein Märchen, im Frühling kommt das Erwachen und das Wetter leuchtet. Auch wenn die Liebe manche Überwindung kostet, gibt es irdische Liebe, brennende Liebe und Lieblingsmenschen. Wir hatten einen Bandscheibenvorfall, einen eingebildeten Kranken und fühlten uns Benutzt, aber mit dem Herz eines Boxers ging es uns Trotz aller Therapie über die Jahre immer gut.
Wir fuhren mit einem Jungen im Bus und im Autobus S und betrachteten Züge in Trainspotting. Was Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer wohl dazu gesagt hätten? Petra von Kant vergoß bittere Tränen, Biedermeier traf ein paar Brandstifter, die Kinder waren des Teufels, Verbrechen wurden aus Leidenschaft begangen und jemand zerbrach einen Krug.
Und – immer wieder der Hammer – seit über einem Vierteljahrhundert jeden ersten Samstag im Monat: In Impro Veritas! Mit Kulturnacht, Gastauftritten und sonstigen Veranstaltungen waren das bis heute wahrscheinlich an die 300 Improauftritte. Da trifft man immer wieder auf Peter, Paul und Gaby, die offenbar alle zahlreiche multiple Persönlichkeiten haben und immer wieder einzigartige Geschichten erleben, ob im Wald, in der Schule oder auf dem Mount Everest. Es gibt Köttbullar in der Sauna, Striptease im Streichelzoo und ein neues Pizzafaxgerät wird gekauft. Man überlegt welches Tier 8 Beine hat, und nein, es sind nicht 2 Frösche, und einmal kam sogar ein fliegender Toaster vorbei. Und vielleicht ruft am Ende noch eine Hildegard…
Fast 200 Theaterstücke mit ca. verschiedenen 750 Rollen wurden vor ungefähr 150.000 Zuschauern gespielt.
Ungefähr 50 Regisseure haben an der Neuen Bühne Bruck in den letzten 40 Jahren inszeniert und immer wieder taucht bei der Regie auch ein nicht weiter definiertes Wesen namens „Ensemble“ auf. Ein männlich wie weibliches immer mehrköpfiges kreatives Konstrukt, das in seiner Vielseitigkeit in unvergleichbarer Weise den Geist unseres Theaters widerspiegelt und viele tolle Inszenierungen möglich gemacht hat – Die Firma dankt.
Julia Ströhle
